Wie aus Israel Palästina wurde

Palästina, das Gebiet am östlichen Mittelmeer hat eine große Geschichte zu erzählen: Viele Völker haben auf dem Boden Kanaans, Israel, Judäa, Samaria, Galiläa und letztendlich auch Palästina gelebt.

Lange Zeit war das Gebiet in jüdischer Hand und es trug den Namen Judäa, bis dann Simon bar Kochba im Jahre 132 einen Aufstand gegen die römische Herrschaft begann. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und alle Israeliten wurden über die ganze Welt verstreut- die Diaspora begann. Unter Kaiser Hadrian wurde das ganze Nahostgebiet neu aufgeteilt und das ehemalige Judäa bekam einen neuen Namen: Syria Palaestina.

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Doch woher kommt der Name? Allgemein wird angenommen, dass der Name von den „Philistern“ stammt, die im 12 Jhd. v.Chr von Kreta in das Land Kanaan eingewandert sind. Doch schon fünf bis sechs Jahrhunderte vor dieser Umbenennung existierten die Philister als eigenständiges Volk nicht mehr. In den Eroberungszügen der Assyrer und Babylonier sind die Philister genauso wie die Königreiche Israel und Juda zerstört worden. Dass der Name Palästina auf das schon 500 Jahre Ausgestorbene Volk der Philister beruht ist deswegen schwer nachzuvollziehen.

Wahrscheinlicher scheint mir, dass das Wort Palästina eine einfache Griechische Übersetzung des Wortes „Israel“ ist. Warum aber? Lasst uns dafür den Ursprung des Namens Israel erforschen, und welche Bedeutung dieser hat. In 1.Mose 32,25-29

1.Mose 23,25-29: Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, so dass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm.  Und der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich!

Da fragte er ihn: Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob! Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!

Den Namen „Israel“ bekam Jakob, nachdem er eine ganze Nacht mit dem Engel des HERRN gerungen hat. Als Ergebnis dieses Ringkampfes bekommt der den Namen „Israel“.

Übersetzt man nun Ringkämpfer ins griechische, wird hierfür das Wort  παλαιστής (ausgesprochen: palaistís) verwendet. Vermutlich bezogen sich die Historiker der damaligen Zeit auf dieses Ereignis und diese Übersetzung, als sie über Israel schrieben, denn in historischen Berichten von Herdeot, Philo von Alexandria und Aristoteles beschreibt Palästina immer hauptsächlich das ganze Gebiet von Israel.

In der Septuaginta das Volk der Philister mit einem anderen Wort beschrieben: Γη των Φιλισταίων (Gi̱ to̱n Filistaío̱n) nicht palaistís, obwohl dieses Wort schon vor der Zeit unter Heredot in Verwendung war- nur eben für das ganze Gebiet Israels und Judäa.

Wortbedeutung

Dass das Wort „Palästina“ gar nichts mit dem Volk Israel zu tun hat, wage ich zu bezweifeln, zu sehr sprechen die Indizien dafür, dass das Land Israel und Judäa schon vor der Umbenennung durch Hadrian den Namen Palästina trug und nicht eine Strafe für den Bar-Kochba Aufstand war. Und dass die Philister verschwindend wenig zu dem Namen beigetragen haben, sprechen folgende Punkte:

  1. Historisch: Die Philister wurden unter dem König Nebukadnezar von Babylon aus ihrem Land vertrieben, wie das Südreich Juda- aber es kehrte nie zurück um als Nation weiterzuexistieren.
  2. Philologisch: Das für das Volk der Philister verwendete griechische Wort ist Γη των Φιλισταίων (Gi̱ to̱n Filistaío̱n), was nicht übereinstimmt mit dem Namen für Palästina: Παλαιστίνη
  3. Zeitzeugen: Als Aristoteles über Palästina schrieb, meinte er nicht die fünf Königsstädte am Mittelmeer, sondern das Palästina, das am Toten Meer lag, wo aber nachweislich keine Philisterkönige herrschten.

Die Menschen, die also meinen mit Palästinenser ein Volk zu bezeichnen, das auf die Philister zurückgeht, würde ich zur Vorsicht raten- es ist zu wahrscheinlich, dass diese Bezeichnung lediglich „Israel“ bedeutet nur ins griechische übersetzt.


Dieser Artikel beansprucht nicht die Vollständigkeit eines wissenschaftlichen Artikels, es soll nur zur Diskussion und zum Nachdenken anregen. Für weitere Informationen empfehle ich folgendes Werk:

David M. Jacobson, Palestine and Israel. Erschienen in Bulletin of the American Schools of Oriental Research, No. 313 (Feb., 1999), pp. 65-74

Oder eine Zusammenfassung dazu auf COJS


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