Gedicht: Die übereilten Worte

Siehst du einen Mann, der übereilte Worte spricht, so kannst du für einen Toren mehr Hoffnung haben als für ihn.

Sprüche 29,20

Sei nicht ein Mann der übereilten Worte,
Denke nach, bevor du etwas sagst.
Und bevor du etwas tust, geh hin zum stillen Orte,
An dem du deinen Gott um Weisungen anrufst.

Salomo, er wusste schon vor Zeiten,
Dass ein Mann, der übereilte Worte spricht
Ein hoffnungsloser Fall nur ist-
Ganz sicherlich kommt er vor das Gericht

Wie ein Schwert ist jedes Menschen Zunge-
Doch nicht dafür, um im gewagten Sprunge
Heillos in dem Herz des Freunds zu wüten.

Nein, vielmehr soll er auf jedem Worte brüten
Denken, prüfen, ob es angebracht und gut.
So ist der Mensch, der Gottes Willen tut!

Jesus im Alten Testament II: Typologien

Eine Typologie ist eine Person, ein Amt, ein Platz, ein Fest oder ein Ereignis des Alten Testaments, das sehr große Ähnlichkeiten und Parallelen zu Jesus Christus aufweist. Es gibt viele Verse im Alten Testament, von denen man sagen könnte: „Genauso wird auch Jesus beschrieben“ oder „Genau dies hat auch Jesus erlebt“. Wenn man sich dabei viel Mühe gibt kann man unter Umständen die Hälfte des Alten Testaments auf Jesus hindeuten.

Deswegen ist gerade dieses Thema ein sehr heiß diskutiertes Thema unter Christen- denn wie weit darf man gehen und wirklich alles auf Christus deuten?

Ablehnen kann man die Typologie auf keinen Fall, denn im Neuen Testament werden Adam und Melchisedek eindeutig auf Christus gedeutet. Einige Christen sagen daraufhin: „Hiermit ist es genug, lasst uns nicht weiter Typologien suchen“ und geben sich mit diesen zwei Typologien zufrieden.

Studiert man aufmerksam das Alte Testament, findet man viele weitere Verse, die ein verblüffende Ähnlichkeit zu dem Leben Jesu Christi haben. Es ist eine sehr große Bereicherung diese Verse zu lesen und auf Jesus hin zu deuten. Eine Auswahl der Typologien im Alten Testament führe ich in dieser Liste, nach Gruppen sortiert, auf:

  • Personen (Mose, Joseph, Adam, Jona)
  • Einrichtungen (Sabbat, Opfer)
  • Ämter (Priester, König)
  • Ereignisse und Handlungen (Erhöhung der Schlange, Auszug aus Ägypten)
  • Dinge und Orte (Stiftshütte, Allerheiligstes)
  • Feste (Passah, Versöhnungsfest)

Bei alledem gilt es aber, Vorsicht walten zu lassen und nie eine Typologie als Grundlage für eine Lehraussage machen. Desweiteren ist es ein guter Rat, wenn man Typologien, die nicht in dem Neuen Testament als solche erwähnt werden, mit Vorsicht genießt. Die Gefahr über das Ziel hinauszuschießen ist hier sehr groß. Denn wenn alles eine Typologie ist- wo bleibt dann der Wörtliche Sinn?

Diese Auslegungstradition begann mit der Alexandrinischen Schule schon kurz nach dem Tod der letzten Apostel und fügte der Hermeneutik des Mittelalters großen Schaden zu, weil in jedem Vers des Alten Testamentes nach einer übertragenen, geistlichen Bedeutung gesucht wurde. Der eigentliche Sinn wurde entweder nicht gesucht oder ging dabei verloren.

Eine nüchterne Auffassung von Typologien ist deswegen obligat. Diese Meinung vertritt Leonhard Goppelt in seinem Buch „Typos. Die typologische Deutung des Alten Testaments im Neuen“ 

Wer sich zu diesem Thema weiterbilden möchte findet hier von Andreas Heyn eine sehr gute Ausarbeitung zu diesem Thema.