Gottesdienste trotz Versammlungsverbot- wie ist das möglich?

Mit der neuen Vereinbarung der Bundesregierung sind bis auf weiteres Versammlungen verboten. Der genaue Wortlaut in der Erklärung lautet folgendermaßen:

III. Zu verbieten sind
 – …
 – Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften.

Vereinbarung der Bundesregierung

Als ich das zuerst gelesen habe, hat es mich getroffen. Aber wisst ihr- Versammlungen und Zusammenkünfte sind verboten- nicht Gottesdienste! Und deswegen können wie mit Freuden die Gottesdienste weiter durchführen!

Welche Möglichkeiten und Beschränkungen folgen daraus für unsere Gemeinden? Im Folgenden möchte ich auf einige Punkte eingehen, wie wir in unseren Gemeinden trotzdem Gemeinschaft haben können, ohne die Gesetze zu brechen oder Geschwister zu gefährden. Die erste Möglichkeit ist, wieder zu dem zurückzukehren, was die erste Gemeinde praktiziert hat

Hauskreise

Martin Vedder sieht in dem Verbot der Zusammenkünfte eine große Möglichkeit wieder das zu praktizieren, was bei der ersten Gemeinde zum Alltag gehörte: Die Versammlung in den Häusern.

Ein Hauskreis ist eine Gemeinde, wenn diese folgenden Punkte wie bei der Urgemeinde praktiziert werden:

  • Die Lehre der Apostel
  • Gemeinschaft
  • Gebete
  • Brotbrechen

Lediglich das Brotbrechen ist in den meisten Gemeinden eine Aufgabe, die von eingesegneten Brüdern durchgeführt wird. Die anderen drei Punkte können und sollen in jedem Hauskreis zu finden sein. Wenn die Gemeinde nun an vielen verschiedenen Orten zusammenkommt, gemeinsam in dem Wort liest und miteinander betet- ist das nicht mindestens genauso schön, wie ein „echter“ Gottesdienst?

Was sollte man aber dabei beachten?

Die Größe der Hauskreise sollten sich an die Regeln der regionalen Verordnungen halten. In unserem Kreis sind Versammlungen bis 30 Personen nicht meldepflichtig, in anderen Kreisen sind die Reglementierungen schärfer. Auch hier gilt es, keine unnötigen Konflikte mit der Ortsbehörde vom Zaun zu brechen.

Die Personen, die sich versammeln, sollten über die Wochen am besten dieselben sein. Das Ziel der Verordnung ist es, die Verbreitung zu verhindern. Deswegen sollten die Hauskreise nicht jede Woche neu gemischt werden, weil somit die Regelung trotzdem umgangen wird. Gerade das sollte uns aber dabei helfen, in der Gemeinschaft enger zusammenzuwachsen. In den Gebeten intensiver zu werden. Über das Wort Gottes persönlicher und gezielter miteinander zu reden.

Zudem sollte darauf hingewiesen werden, dass Personen, die die Krankheitssymptome aufweisen, nicht zu den Hausversammlungen gehen sollten. Gerade wegen der älteren und kranken Geschwister sollte man auch hier verantwortungsvoll handeln.

Was könnte man aber machen, wenn es nicht genügend Hausväter oder Prediger gibt, die Hauskreise leiten können? Gerade in Gemeinden mit vielen älteren Geschwistern gestalten es sich schwer, mehrere Hauskreise zu organisieren.

Zentraler Gottesdienst mit Audioübertragung

Die meisten Gemeinden haben eine Telefonhotline oder einen Livestream eingerichtet, in dem die Gottesdienste übertragen werden können. Es bietet sich demzufolge an, dass nur die, die für den Dienst in dem Gottesdienst eingeplant sind, sich versammeln. Das heißt, dass sich die der Gemeindeälteste, die Prediger und die, die mit einem Beitrag dienen möchten, im Gemeindehaus versammeln. Zusammen halten sie den Gottesdienst im kleinsten Rahmen und senden diesen per Telefon oder Livestream an die Gemeinde.

Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um diese Übertragung zu bewerkstelligen? Folgende Konzepte möchte ich hier vorstellen:

Herstellen der Übertragung

Die einfachste Möglichkeit ist, das Telefon in die Mitte des Raumes oder an einen Lautsprecher zu legen und die Gottesdienste so zu übertragen. Die Qualität der Übertragung ist aber selten zufriedenstellend.

Wird der Gottesdienst schon aufgenommen bzw. über ein Mischpult gesteuert, gibt es die Möglichkeit, die Tonspur an einen Computer zu übertragen und diese dann per Telefon weiterzuleiten. Wir in unserer Gemeinde nutzen dafür MicroSIP, mit dem wir uns in eine Konferenz einwählen. Welche Konferenzgebiete mir bekannt sind und getestet wurden, möchte im Folgenden aufführen.

Telefonkonferenzen über Deutsche Telefonkonferenz

Der Anbieter Deutsche Telefonkonferenz bietet kostenlos für jeden eine unbegrenzte Anzahl an Teilnehmern in Telefonkonferenzen an. Die Einwahl ist ein wenig kompliziert und erfordert eine PIN. Zuerst wird die Telefonnummer angewählt, dann gibt man nach Aufforderung die Konferenznummer ein und anschließend die PIN. Jeder Teilnehmer hat dieselbe Berechtigung und muss sich selbst stumm schalten, damit er nicht gehört wird. Gerade für ältere Geschwister ist die Handhabung dieser Version äußerst kompliziert. Weil es auch Telefone gibt, die sich nicht stummschalten lassen, kann die Konferenz statt des Gottesdienstes auch mal die Geräusche unterschiedlicher Teilnehmer übertragen. Als schnelle Notlösung habe ich es mal angewendet, aber für eine zufriedenstellende Dauerlösung eignet sich diese Konferenz leider nicht.

Telefonkonferenzen mit Administratoren

Konferenzen.eu ist ein guter Anbieter, bei dem Telefonkonferenzen mit Administratoren gestartet werden können. Über den Browser bekommt man den Einblick auf alle Anrufer und kann diese zentral stumm schalten. Gottesdienst-Telefon.de hat sich gerade für diesen Bereich spezialisiert und bietet auch kompetente Beratung für den jeweiligen Fall an. Weil der Anbieter aus unseren baptistischen Kreisen kommt, würde ich ihn auf jeden Fall weiterempfehlen. Gerade auch für Gemeinden, die eine schnelle und einfache Lösung haben möchten. Die ersten 6 Monate sind zudem zurzeit kostenlos.

Audioübertragung per Livestream

Wenn der Großteil der Gemeindeglieder eine Internetverbindung hat, bietet es sich auch an, einen Audiostream über das Internet anzubieten. Die Qualität ist bei weitem besser als sie über die Telefonleitung sein könnte und ist zudem für alle primär kostenlos. Zudem ist auch die Anzahl der Teilnehmer unbegrenzt und die Gefahr, dass das eigene Mikrofon mit Geräuschen an der Konferenz teilnimmt, nicht mehr da.

SW-Radio bietet den Gemeinden ihre Hilfe an, diese Aufgabe zu stemmen. Wir in unserer Gemeinde haben das noch nicht in Anspruch genommen, es hört sich aber vielversprechend an.

Wir in unserer Gemeinde nutzen das Programm BroadWave zum Audiostreaming. Der Link kann einfach geteilt werden und von jedem Handy angeklickt werden. Es erscheint im Browser ein Audiostream, bei dem man dem Gottesdienstverlauf in hoher Qualität mitverfolgen kann.

Diese Möglichkeiten gibt es, wenn der Gottesdienst noch stattfinden kann. Doch was soll man machen, wenn eine komplette Ausgangssperre verhängt wird? Oder wenn ein generelles Versammlungsverbot für alle Gruppen untersagt wird? Im Folgenden möchte ich eine Alternative vorstellen, die auch trotz Versammlungsverbot durchführbar ist.

Gottesdienst an verschiedenen Orten

Die oben genannten technischen Hilfsmittel schaffen uns ganz neue Möglichkeiten unsere Gottesdienste zu feiern. Es ist anzunehmen, dass jeder Christ, jede Familie die Gemeinschaft mit Gott suchen wird. Wieso sollte man sich dann nicht zusammenschließen und über das Telefon oder Stream die Gottesdienste miteinander feiern? Die einfachste Version wäre die oben genannte Telefonkonferenz in der alle Mitglieder ein Telefon bzw. Handy mit guter Aufnahmequalität nutzen. Entsprechend der Gottesdienstplanung kann dann der entsprechende Prediger bzw. Beitragender freigeschaltet werden, um seinen Beitrag zu teilen. Eine gemeinsame Gebetszeit nach den Predigten lädt jede Familie und jeden Zuhörer ein, mit einem privaten Gebet die Anliegen vor Gott zu bringen.

Wie könnte man das aber noch weniger spontan und geplanter durchführen? Die Prediger bereiten meist schon länger für ihre Ansprache vor. Es bietet sich also an, die geplante Predigt Zuhause mit einem guten Handymikrofon aufzunehmen. Genauso könne auch Familien mit einem Musikstück oder einem Lied dienen, indem sie es im Voraus aufnehmen. Sei es ein Gedicht oder eine Kindergeschichte- viele Beiträge könne so von den Gemeindegliedern aufgenommen werden. Diese Audiodateien kann man dann an einen Verantwortlichen senden, der den Gottesdienst zusammenstellt. Diese gesammelten Beiträge und Predigten können dann zu üblichen Gottesdienstzeiten (Sonntags um 10 Uhr) mit der oben genannten Software (wir nutzen BroadWave) in die Konferenz oder den Stream eingespielt werden. So haben viele zu dem Gottesdienst beigetragen und können zur üblichen Zeit den Gottesdienst miterleben.

Es muss ein schönes Erlebnis sein, wenn sich die Christen mit ihren Familien am Sonntag zu einem Hausgottesdienst versammeln, um an einem nicht ortsgebundenen Gottesdienst teilzunehmen. Die Zeit, die für das Gebet eingeplant wird, kann zu gleicher Zeit von vielen Familien genutzt werden und viele Gebete können so zum Himmel steigen.

Viel schöner stelle ich mir aber vor, wenn dann die Gemeinde, nachdem sie so lange voneinander getrennt war, wieder in ihrem heimatlichen Gemeindehaus zusammenkommt. Gott gebe, dass diese Zeit nicht dazu führt, dass unsere Gemeinden sich auseinanderleben, sondern vielmehr dazu führt, dass wir uns mehr nacheinander sehnen und die Liebe zueinander wächst.

Noch ein Wort zum Schluss

Was will uns Gott denn mit dieser Krise sagen? Eine Antwort meine ich schon gefunden zu haben. Gerade dadurch, dass viele Gemeinden nun beinahe gezwungen sind, ihre Gottesdienste über Telefon oder Audiostream auszustrahlen wurde mir dieser Vers wichtig:

…denn mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden.

Jes. 56,7

Gott möchte, dass sein Haus ein Bethaus für alle Völker genannt wird. Vielleicht dienen gerade auch die öffentlichen Ausstrahlungen dazu, dass mehr Menschen auf deine Gemeinde vor Ort aufmerksam werden und nun die Möglichkeit haben, „anonym“ die Frohe Botschaft zu hören. Lasst uns deswegen die Streams und Konferenznummern nicht unter den Scheffel stellen, sondern öffentlich zugänglich machen, damit auch unsere Nachbarn und Freunde beim Gottesdienst dabei sein können.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Mt. 5,14-16

4 Kommentare zu „Gottesdienste trotz Versammlungsverbot- wie ist das möglich?

  1. Ein sehr guter Beitrag der kurz und prägnant die aktuelle Situation der Christen in Deutschland zusammenfasst und Alternativen vorstellt.
    Besonders der Gedanke das auch Außenstehende sich mit in die Gottesdienste schalten können ist ein sehr interessanter. Ich denke das wird ein großer Segen für solche Menschen sein. Lasst uns diese Möglichkeiten voll ausschöpfen solange wir sie haben und nicht müde werden von unserem Heiland und unserer lebendigen Hoffnung den Menschen um uns herum weiterzusagen!
    Gottes Segen wünsche ich weiterhin!

    Gefällt 1 Person

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