Wie besitzt ein Christ sein Besitz richtig?

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In dem vorigen Beitrag: Die Stellung eines Christen zu Arbeit und Besitz

1.        Die Frage der Herrschaft

Die Frage, der wir uns zuallererst stellen wollen, ist: Wer ist der Herrscher in dieser angelegenheit? Der Mammon, Gott oder wir selber? ,Spurgeon schrieb von dem Geld, dass es schlimm wäre, „wenn es sich bei uns niederließe und unser Herr würde.[1]“ und Jesus sagte, dass man nicht dem Geld und Gott gleichzeitig dienen kann[2]. Dies kann man auch ausweiten auf den ganzen Besitz eines Menschen und die Frage stellen: Wer ist der Herr in dieser Beziehung? Es ergeben sich drei Möglichkeiten:

1.1        Der Besitz ist der Herr

Die gefährlichste der Möglichkeiten ist die, dass der Besitz Herr über unser Denken, Fühlen und Wollen ist. Alles was getan wird, ist dem Aspekt unterworfen, mehr Besitz anzuhäufen. Diese Herrschaft ist gnadenlos, weil sie keinen anderen Herrn erlaubt und als Ziel hat, den Menschen in das Verderben zu stürzen[3].

Häuft man sein Besitz alleine dazu an, um es zu besitzen ist die Gefahr groß, dass es sich während des Leben durch Umstände[4] und am Ende des Lebens ganz sicher in ein Nichts auflösen wird. Es sei deswegen zu bedenken, dass unser ganzer Besitz, wie auch wir, von Grund auf Gott gehören[5] und wir lediglich Verwalter der Güter sind. Es steht dem Mammon deswegen nicht zu, Herr über den Christen zu sein, nur muss dieser sich dazu bewusst durchringen.

1.2        Der Mensch will Herr über seinem Besitz sein

Einige Christen sind der Meinung, dass Gott seinen Leuten gelingen gibt, um den Besitz zu vermehren und für sich selbst zu nutzen[6].  Sie geben den Zehnten getreu ab, aber was darüber ist, wird als „nicht unter Gottes Einfluss stehend“ betrachtet. Doch hat ein Christ nicht das Recht dazu, es nur für sich selbst auszugeben[7]. Die Gefahr bei dieser egozentrischen Lebensweise ist, dass sich der irdische Reichtum geistlich gesehen als große Armut entpuppt[8] und letztendlich der Vernichtung anheimfällt, weil er nur für das eigene Vergnügen ausgegeben wurde[9]. Die Folge davon ist, dass man, im Himmel angekommen, keinen ewigen Besitz vorzuweisen hat und der Lohn kärglich ausfällt[10].

Eine zweite Gefahr ist die, dass bei dem „kargen wo man soll“ man schon auf der Erde nur noch ärmer wird[11]. Watchman Nee sagt über Menschen, die ihr Geld an sich raffen, dass sie nicht dabei sein werden, „wenn Gott „sein Geld“ austeilt“[12]. Es ist also eine schlechte Zukunftsinvestition, wenn man hier auf der Erde sein Geld nur für sich behält und nicht bereit ist es für die Arbeiten im Reich Gottes auszugeben.

1.3        Gott ist der Herr über unser Besitz

Es ist eine Frage der Liebe, welchen Stellenwert Gott und der Besitz in unserem Leben einnimmt. Piper bedauert es, dass viele ihre tiefste Sehnsucht mit käuflichen Vergnügen zu stillen versuchen und „sich mit der Geldliebe zufriedengeben statt mit der Liebe Gottes.[13]

Genauer betrachtet ist es also eine Frage des tiefsten Glücks, ob wir uns mit der Liebe zum Besitz betäuben oder das wahre Glück in der Liebe zu Gott finden. Deswegen geht dem allen die Übergabe des gesamten Lebens an den ewigen Gott voraus, bevor wir Gott als Herr über unseren Besitz stellen können[14], weil dieser nur ein Teilbereich eines Lebens als Christ ist.

An Zachäus sieht man[15], wie seine neue Einstellung zum Besitz für Jesus der Anlass war, zu bezeugen, “diesem Haus Heil widerfahren […] ist[16].

Die Folge dessen ist, dass wir anerkennen, dass weder wir, noch unser Besitz uns gehören[17] und Gott das Recht dazu hat, zu bestimmen, was damit geschehen soll.  Viele schrecken vor diesem Schritt zurück, weil sie befürchten, alles was sie haben, abgeben zu müssen und meinen dadurch tiefunglücklich zu werden. Dem Christen stellt sich deswegen die Frage, was Gott mit dem Besitz machen will, wenn er der Herrscher darüber wird.

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3.1.1   Was will Gott mit meinem Besitz machen?

Das Ziel, das Gott mit unserem Besitz verfolgt ist zuallererst der, dass er uns damit ewige Freude und Reichtum[18] verschaffen will. Daraus ergeben sich Richtlinien[19], die uns Gott als Herrscher über unseren Besitz übermittelt hat

  1. Für Gott säen[20]: Der Überfluss und Besitz der Gegenwart soll als Saatmaterial verwendet werden, um in zukünftiger Notlage von anderen Menschen Hilfe zu ernten[21].
  2. Es Gott bringen[22]: Gerade die Abgabe des Zehnten[23] zuallererst an die eigene Gemeinde ist eine feste Verpflichtung[24]. Dies führt laut Maleachi zu Segen in Fülle.
  3. Gebet- und Geistgeleitet[25]: Unser Geben „sollte als Antwort auf ein ernstes, gläubiges Gebet[26]“ vom Heiligen Geist geleitet sein.
  4. Gott alles schenken[27]: Der Bruch mit der Herrschaft des Mammons zeigt sich darin, dass man alle Absicherungen an Gott abgibt. Wer von Gott Hilfe erwarten will, muss zuerst das letzte Wasser und das letzte Scherflein Gott opfern[28].
  5. Freiwillig und großzügig geben[29]: Ein Sparen am falschen Ort führt statt zu Reichtum zur Armut, einen freiwilligen und fröhlichen Geber hingegen hat Gott lieb[30].
  6. Sorge um die eigene Familie[31]: Wer seinen ganzen Besitz der eigenen Familie vorenthält, ist schlimmer als ein Ungläubiger. Deswegen hat die Sorge für die eigene Familie vor Gott einen hohen Stellenwert.

Zusammenfassend gilt, dass ein Christ „lernen [soll], seinen Besitz und seine finanziellen Angelegenheiten loszulassen.[32]“ Indem er seinen Besitz und seine Kraft für das Werk Gottes ausgibt, übergibt er es Gott, der dann mit liebender Fürsorge für alle Bedürfnisse sorgt[33].

2.       Abschließende Gedanken

Es ist ein herausforderndes Thema, sich mit den Anforderungen Gottes über „meinen“ Besitz zu beschäftigen. Gerade weil viel Literatur und viele Erfahrungen die Kirchengeschichte bereichert haben, findet man unterschiedlichste Ratschläge. In den grundlegenden Dingen wie dem Zehnten und den freiwilligen Spenden sind bibeltreue Ratgeber sich aber einig: Dass diese, wie der gesamte Besitz und der ganze Christ Gott gehören.

Komplexer werden die Gedanken, wenn es nach dem Maß der Hingabe geht. Strengere Ansätze der Gütergemeinschaft zum Beispiel haben in der Geschichte immer wieder Anklang gefunden. Weil diese aber nicht als Allgemeine Regel für jede Gemeinde festlegbar ist, wurde hier kein größeres Augenmerk daraufgelegt.

Lediglich die Position einiger bibelfesten Christen wie Watchman Nee, Georg Müller, Bakth Singh oder auch Hudson Taylor werfen mir große Fragen auf. Sollen wir wirklich wie sie im Dienst für den Herrn jeden Gelderwerb aufgeben, kein Geld einfordern, sondern alles was wir Besitzen spenden und allein von Fügungen des Himmels leben? Gerade 3.1.1 Punkt 4 ist für den normalen Christen schwer realisierbar, auch wenn es wahr ist, was Nee dazu sagt. Es mag sein, dass einige ihren ganzen Besitz für das Werk Gottes geopfert haben, aber es als Regel für alle Christen zu formulieren fällt hierbei schwer.

Auch die Position alles von dem Herrn zu erbeten, statt mit eigenen Händen wie Paulus arbeiten zu gehen, ist für mich weniger nachahmenswert, obwohl es bei vielen großen und gesegneten Männern Gottes auffindbar war und ist. Deswegen ist es individuell mit Gott abzuklären, ob solch eine Vorgehensweise von Gott gefordert oder erwartet wird.

Der Fakt, dass der Christ und sein ganzer Besitz Gott gehören und wir lediglich dessen Verwalter sind, ruft jeden Christen dazu auf, Gott zu fragen, was dieser mit seinem Besitz erreichen will. Diese individuell zu klärende Frage muss eng mit Gott abgesprochen werden und nicht aus falschen Motiven heraus geschehen. Denn kein Christ soll wie Ananias und Saphira enden, sondern mit seinem Besitz Schätze im Himmel ansammeln. Wie genau das geschieht- dazu sollen diese zwei Beiträge anregen und jeder Christ persönlich von Gott erbeten.

In dem vorigen Beitrag: Die Stellung eines Christen zu Arbeit und Besitz

 


Weiterführende Literatur

Piper, John. Von der Pflicht zur Freude, 1.Auflage, CLV Verlag Bielefeld 2006

Alcorn, Randy. Wo dein Schatz ist…, 1.Auflage, CLV Verlag Bielefeld 2016

Spurgeon, Charles H. Guter Rat für allerlei Leute; 2. überarbeitet Auflage, , CLV Verlag Bielefeld 2015

Nee, Watchman. Zur Ehre Gottes leben, 1.Auflage, CLV Verlag Bielefeld 1999

Luther, Martin. Predigten durch ein Jahr

Ströhmann,Gerd. Erziehungsrituale der Hutterischen Täufergemeinschaft. Münster LIT-Verlag 1999

MacDonald, William. Trachtet zuerst… 4.Auflage CLV Verlag Bielefeld 2003


[1] Spurgeon. Guter Rat S.101

[2] Matth. 6,24

[3] Math. 6,24 und 1.Tim 6,8

[4] Spr. 11,24 und  Piper. Von der Pflicht S.77-79

[5] Rempel. Christliche Ethik S.47 mit Verweis auf 2.Mo. 19,5 und 3.Mo. 25,23

[6] Piper. Von der Pflicht S.77

[7] Rempel. Christliche Ethik S.52

[8] Off. 3,17

[9] Jak. 5,1-6

[10] 1.Kor. 3,14-15

[11] Spr. 11,24 LU ´84

[12] Nee. Zur Ehre Gottes leben S.240-241

[13] Piper. Von der Pflicht S.69

[14] MacDonald. Trachtet zuerst… S.20-21

[15] Alcorn. Wo dein Schatz ist… S.11

[16] Luk. 19,9

[17] Hag. 2,8 und 1.Kor. 6,19-20

[18] Off. 3,18 und Alcorn. Wo dein Schatz ist… S.20

[19] Zusammenstellung anhand Alcorn. Wo dein Schatz ist… S.126 und Nee. Zur Ehre Gottes leben S.251-255

[20] Nee. Zur Ehre Gottes leben S.251-252

[21] 2.Kor. 8,13-15

[22] Nee. Zur Ehre Gottes leben S.252-253

[23] Mal. 3,10 und Alcorn. Wo dein Schatz ist… S.126

[24] MacDonald. Trachtet zuerst… S.21

[25] a.a.O. S.20

[26] a.a.O. S.20

[27] Nee. Zur Ehre Gottes leben S.253-254

[28] a.aO. S.253-254 mit Bezug auf Elia in 1.Kö. 18,34-35 und der Witwe am Opferkasten in Lk. 21,1-4

[29] Alcorn. Wo dein Schatz ist… S.126

[30] Spr. 11,24 LU ´84 und 2. Korinther 9,7

[31] 1. Timotheus 5,8

[32] Nee. Zur Ehre Gottes leben S.237

[33] Mathh. 6,33

2 Kommentare zu „Wie besitzt ein Christ sein Besitz richtig?

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