Anspiel zum Erntedankfest: Das unmögliche Hochhaus

 

Zu dem neusten Anspiel nach demselben Konzept: Das unmögliche Auto.

Psalm 92,6: Herr, wie sind deine Werke so groß!

Sprecher Ein Milliardär, der die Baukunst sehr schätzte und sein Geld liebend gern für Immobilien ausgab, kam eines Tages zu einem weltberühmten Architekten für Hochhausbau.
Milliardär Bauen sie mir das höchste Gebäude der Welt, Geld spielt bei mir keine Rolle.
Sprecher Der Architekt nickte und sagte erfreut:
Architekt Gerne – ich stehe ganz zu ihrer Verfügung! Woran haben sie gedacht?  Wie sollte ihr Hochhaus denn Aussehen?
Milliardär Es soll aussehen wie ein hoher, schlanker Turm. Gleichmäßig und glänzend in der Fassade.
Architekt Kein Problem! Solche Bauwerke sind kein Kunstwerk- wir besitzen die nötige Technik dazu schon seit Jahren. Wie hoch wollen sie denn bauen?
Milliardär Mindestens 1000 Meter. Höher als alle bisherigen Hochhäuser
Architekt Oh, einen neuen Weltrekord! Wenn Geld bei ihnen keine Rolle spielt, ist das auf jeden Fall machbar! Es ehrt mich sehr, dass sie mir solch eine bedeutungsvolle Aufgabe anvertrauen. Welche Wünsche haben sie noch?
Milliardär Im inneren des Hochhauses möchte ich Aufzüge verbaut haben mitsamt allen notwendigen Versorgungsleitungen und Verbindungsgängen.
Architekt In Ordnung, aber wozu legen sie solch einen großen Wert auf die Versorgung und Verbindung?
Milliardär Dazu komme ich noch, denn für viel mehr wird in dem Inneren kein Platzt sein. Das Haus soll einen Durchmesser von maximal vier Meter haben.
Sprecher Hier verschlug es dem Architekten die Sprache. Er nickte stumm, notierte etwas auf seinem Protokoll und wollte gerade etwas Fragen als der Millionär schon weitersprach:
Milliardär Dabei sollten die Wände maximal eine Dicke von einem halben Meter haben
Architekt (entsetzt) Einen halben Meter? Und maximal vier Meter im Durchmesser? Und so bis auf eine Höhe von 1000 Meter? (ironisch) Haben sie noch mehr solcher Wünsche?
Milliardär Oh, ich bin noch nicht am Ende angelangt. Elastisch sollte das Hochhaus sein- und sich im Wind biegen können. 100 Meter sollte dabei die Schwingungsbreite betragen.
Architekt (entsetzt) Elastisch- und biegsam. Und das bei einer Wandstärke von 50 Zentimetern?
Sprecher Der Architekt schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Er wollte seinem Kunden einige Worte an den Kopf werfen, verschwieg sie dann aber doch. Den Milliardär störte das nicht weiter und er redete munter weiter
Milliardär Und ganz oben auf die letzten 120 Meter möchte ich ein Kraftwerk errichten, das für die Versorgung des gesamten Gebäudes aufkommt. Deswegen die vielen Versorgungsleitungen und Aufzüge in dem Gebäudeinneren.
Sprecher Hier geriet der Architekt aus der Fassung.
Architekt Hören sie mal: das höchste Gebäude der Welt ist 828 Meter hoch und hat einen Grunddurchmesser von über 80 Meter und Wände mit einer Dicke von 1,5 Meter. Und sie fordern von mir einen elastischen, 1000 Meter hohen Turm, mit einer Wanddicke von 50 Zentimetern und einem Durchmesser von vier Meter?
Milliardär Ganz genau!
Architekt Das ist unmöglich! Wie wollen sie das schaffen? Und dann noch ganz oben ein Kraftwerk aufsetzen? Unten vier Meter und nach oben hin sich verbreiternd? Das Hochhaus muss unten breit sein und nicht oben. Sie wissen doch gar nicht, was sie da fordern. Es gibt nichts, das diese Belastung aushält und dabei noch elastisch ist. An welche Baumaterialen haben sie denn dabei gedacht? Stahlbeton hält das nicht aus
Milliardär Stroh
Architekt (voller Entsetzen) Stroh? Sagen sie mal, machen sie sich lustig über mich? So ein Bauwerk und dann wollen sie es noch aus Stroh bauen? So etwas gibt es doch gar nicht.
Milliardär Doch, so etwas gibt es. Ich habe es schon gesehen. Sie sollten es nur nachbauen.
Architekt Wo haben sie so etwas gesehen? Ich bin seit Jahrzehnten Architekt von Hochhäusern und habe noch nie von solch einem unmöglichen Gebilde gehört.
Milliardär Nun, dann haben sie wohl immer in die falsche Richtung geschaut. In jedem Land stehen Milliarden solcher „unmöglicher Gebilde“
Sprecher Mit diesen Worten zog der Milliardär einen Plan aus seiner Aktentasche und überreichte diesen dem Architekten.
Architekt Eine Weizenähre? Was hat das denn mit ihrem Hochhaus zu tun?
Milliardär Ein Getreidehalm ist 250 mal höher als seine Grundfläche und hat oben ein Kraftwerk, das das Gewicht des gesamten Halmes um ein vielfaches übersteigt. Ich wollte nur, dass sie mir auch so etwas aufbauen.
Architekt Das kann ich nicht. Kein Mensch kann das. Solche Fähigkeiten besitzen wir nicht. Ich muss sie leider Enttäuschen- ich kann den Auftrag nicht annehmen.
Sprecher Die Geschichte vom Milliardär und seinem Architekten ist natürlich erfunden. Aber solch einen unmöglichen Turm hat Gott schon vor Jahrtausenden geschaffen mitsamt des Kraftwerks, den Getreidekörnern und allen Versorgungsleitungen.

 

Die Wand eines Weizen- oder Roggenhalms ist nur einen halben Millimeter dick, sein Durchmesser beträgt vier Millimeter, seine Höhe rund 1000 Millimeter. Der Getreidehalm ist also tatsächlich 250 Mal höher als sein eigener Durchmesser. Und trotz seiner Größe und geringer Grundfläche steht er aufrecht und biegt sich elastisch im Wind. In seinem Inneren liegen eine Menge von Leitungen, die für den Transport von Wasser, Energie und Nährstoffen zuständig sind, damit ganz oben in der Ähre Körner voller Nährstoffe gebildet werden können. Ist diese kleine Ähre nicht ein großes Wunder?

 

Download

Das unmögliche Hochhaus.pdf


Mit Ideen  von hier.

2 Kommentare zu „Anspiel zum Erntedankfest: Das unmögliche Hochhaus

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