Wie Erzieht man zu Treue in Ehe Familie und Beruf?

Treu

In einem vorigen Beitrag wurde erarbeitet, wie man zur Treue im Glauben erziehen kann. In dem vorliegenden soll die Thematik der Treue noch einmal aufgegriffen und für die Bereiche Ehe, Familie, Beruf und dem Nächsten gegenüber ausgelegt werden.

1        Treue in der Ehe

Das Abbild der Beziehung zwischen Gott und seinem außerwählten Volk wird in unserer Welt am deutlichsten in der Ehe abgebildet. Genauso wie Gott sein Volk zur Treue aufruft, fordert er auch in jedem Ehebund gegenseitige Treue. Es gibt sonst keinen Bereich in unserem Leben, in dem die Treue so wichtig ist wie in der Ehe. Wie erzieht man Verheiratete und Unverheiratete dazu, ein treues Eheleben zu führen?

1.1        Liebe

Wie auch in der Beziehung zu Gott, ist Treue ohne Liebe schwer. Ohne Liebe wird Treue zum angelernten Gebot, die nur um des Gebotes willen gehalten wird, aber nicht aus freiem Herzen heraus. Eine Beziehung, die erfüllt ist von Liebe, ist geprägt von Güte, Selbstlosigkeit, Vergebung, Wahrheit und Geduld[1]– für Untreue ist kein Platz vorhanden.

Soll nun ein Ehepaar bis zum Tod die Treue halten[2], muss es beständig in der Liebe bleiben[3] und bei Vernachlässigung derselben Ermahnung und Zurechtweisung von Seiten des Partners oder eines Dieners annehmen[4]. Geprägt von dieser Liebe werden bereits verheiratete Paare zur Nachahmung ermutigt, unverheiratet wird ein Vorbild gegeben, wie sie später ihre Beziehung führen sollen[5]. Insbesondere die Belehrung sollte hier nicht vernachlässigt werden, da auch sie die Liebe und infolgedessen die Treue fördert. In Literatur und Vorträgen gibt es genügend Beispiele, Anreize und Vorschläge, wie die Liebe in einer Beziehung erhalten und gefördert werden kann[6].

1.2        Gehorsam

Wem gegenüber soll in der Ehe Gehorsam geübt werden? Zuallererst gilt es, dem Wort Gottes zu gehorchen, das viele Ratschläge zu einer treuen Ehe enthält. Die alttestamentlichen Gebote, die zur Treue aufrufen und den Ehebruch bestrafen sind zuallererst zu nennen[7]. Genauso wichtig ist das Vorbild der Sara-Kindschaft, deren Merkmal laut 1.Petr. 3,6 der Gehorsam ist. Des Weiteren gilt es auch den neutestamentlichen Geboten von Jesus und den Aposteln zu gehorchen[8].

Grundlegend hierfür ist die Belehrung mit dem Wort Gottes: Unwissenheit über die Ordnungen Gottes in der Ehe können zur Übertretung derselben führen[9]. Diese Belehrung sollte nicht nur bei schon verheirateten Paaren praktiziert werden, sondern schon von klein auf den Kindern beigebracht werden[10]. Mit der Zurechtweisung bei Untreue sollte nicht gespart werden genauso wie die Strafe dafür erklärt und angewendet werden soll[11].

Auch die Ermutigung zum Gehorsam darf nicht vernachlässigt werden, da das Fleischliche in uns gegen den Gehorsam kämpft[12] und uns zur Untreue bringen will. Die Ermutigung, dem zu wiederstehen und ein heiliges Leben zu führen ist nicht nur die Aufgabe der Erziehenden, sondern jedes Christen[13].

Werden diese Aspekte zu Wahrung der Treue beachtet und ausgelebt, steht einer glücklichen Ehe nichts im Wege und führt zu einem harmonischen Familienleben, das genauer im nächsten Punkt betrachtet wird.

2        Treue in der Familie

Zur Treue innerhalb der Familie wird in der Bibel nicht direkt aufgerufen, sie wird aber stark gewichtet, wenn man sie als feste und starke Beziehung innerhalb der Familie und Verwandtschaft betrachtet[14]. Jemand, der Zwietracht zwischen Brüdern sät, wird von Gott als Gräuel angesehen[15] und einer, der seine „Familie zerrüttet, wird [nur] Wind zum Erbe bekommen[16]. Es wird vielmehr zum Gehorsam[17] und zur Liebe innerhalb der Familie aufgefordert; Dinge, die grundlegend für eine treue Beziehung innerhalb einer Familie sind.

2.1        Liebe

Gott selbst vergleicht sich und sein Handeln immer wieder mit den Beziehungen innerhalb einer Familie[18], was als Vorbild für das Handeln in allen Familien gelten soll.

Der letzte Vers in dem Alten Testament ist einer der bedeutendsten von der Sorte, die von der Beziehung von den Vätern zu ihren Kindern spricht[19]. Damit Gott das Land nicht mit einem Bann schlägt, ist die Zuwendung der Väterherzen zu ihren Kindern und umgekehrt die Möglichkeit, das zu verhindern. Wir erkennen daraus, dass Gott der liebevollen, herzlichen Beziehung in der Familie einen hohen Stellenwert zugemessen hat.

Besonders deutlich wird die Wichtigkeit der Liebe der Väter zu ihren Kindern in der Ermahnung an die Kolosser[20] und Epheser[21], wo sie ermahnt werden, ihre Kinder nicht zum Zorn zu reizen. Genauso sollten die Kinder ihre Eltern von Herzen lieben und ehren[22].

Um eine dauerhafte Beziehung innerhalb der Familie zu gewährleisten, gilt es, aus Liebe zu handeln. Dabei sollen die Eltern den Kindern Liebe entgegenbringen und die Kinder den Eltern. Sind die Eltern ein Vorbild, ermutigt es die Kinder ihre Eltern zu lieben, da sie Grund dazu haben. Strafe, Zurechtweisung und Belehrung[23] sind weniger zielweisend um die Liebe in der Familie primär aufzubauen, aber wichtig bei der Erfüllung des Gehorsams.

2.2        Gehorsam

Unabhängig von der Liebe fordert Gott die Kinder auf, Vater und Mutter zu ehren[24]. Auf den Aspekt der Liebe wird im fünften Gebot nicht so viel Wert gelegt wie auf den Gehorsam. Es gibt für den Menschen keinen Grund, jemals dieses Gebot zu brechen[25]. Resultierend aus diesem Gehorsam Gott gegenüber, werden die Kinder auch den Geboten folgen, die sie von ihren Eltern vermittelt bekommen[26].

Doch nicht nur die Kinder müssen sich im Gehorsam üben, auch der Gehorsam der Eltern gegenüber Gottes Wort bringt sie dazu, Autorität zu erlangen und ihre Kinder über den Gehorsam Gott gegenüber zu belehren[27].

Sind die Eltern selber ein Vorbild im Gehorsam zu Gott, werden die Kinder diesem Vorbild folgen und Belehrung und Ermutigung annehmen[28]. Sie sollen aber auch unter Zurechtweisung die Strafe für Ungehorsam kennen[29].

Kennt nun jeder seinen Platz in der Familie, wird Liebe und Gehorsam dazu führen eine feste und treue Bindung innerhalb der Familie aufzubauen.

3        Treue im Beruf

In der Bibel sind uns einige Beispiele gegeben, bei denen gottesfürchtige Männer ihrer Arbeit treu nachgegangen sind und dadurch reichen Lohn bekommen haben. Kennzeichnend sind hier Joseph[30] und Daniel[31], denen beiden die Liebe und der Gehorsam Gott und Vorgesetzten gegenüber großen Aufstieg verschaffte. Das Geheimnis dieses Erfolgs basierte auf ihrem treuen Charakter[32] und lag nicht in der Beziehung der Glaubenshelden den Menschen gegenüber, sondern in ihrem Verhältnis zu Gott. Wollen wir selber und unsere nächste Generation treu in der uns anvertrauten Arbeit sein, müssen wir aus Liebe zum Gehorsam handeln.

3.1        Liebe

Unsere Liebe soll nicht in erster Linie der Arbeit gelten[33], sondern Gott. Wenn wir so arbeiten, als ob Jesus die Arbeit[34] kontrollieren würde, ist sie richtig getan. Deswegen fordert uns Paulus auch auf, unsere Arbeit nicht für Menschen zu tun, sondern für Gott[35]. Besonders prägend für Kinder und Mitmenschen ist hier das Erziehungsmittel des Vorbildes[36], da das Ergebnis dieser inneren Haltung wie bei Joseph und Daniel schnell sichtbar wird. Eine Belehrung wie sie Paulus in seinen Briefen gab, ermutigt zum Nacheifern. Zurechtweisung und Strafe bei schlecht ausgeführten Arbeiten[37] sind angebracht, um zu einem Arbeiter heranzureifen dem alles gelingt.

1.3.2        Gehorsam

Wie auch bei der Liebe, gilt der Gehorsam eines Arbeiters in allererster Linie Gott gegenüber. Gott hat uns in seinem Wort eine Menge an Anweisungen gegeben, welche Qualität unsere Arbeit haben muss[38]. Werden zudem auch die allgemein gefassten Gebote zur Treue[39], Gerechtigkeit[40], Unbestechlichkeit[41] und dergleichen im Gehorsam Gott gegenüber ausgelebt, folgen wir dem Beispiel der Glaubenshelden Joseph und Daniel. Denn im Gehorsam Gott gegenüber erfüllen sich alle Verpflichtungen, die ein Arbeitnehmer mit dem Unterschreiben des Arbeitsvertrags eingegangen ist.

Auch hier ist das aktive Vorbild ein gutes Erziehungsmittel zur Treue im Beruf[42]. Die Belehrung über den Ursprung des Erfolges[43] ist vonnöten, um nicht den Erfolg sich selbst, sondern Gott zuzuschreiben. Liegt es in der Autorität des Erziehenden, soll er auch im Hinweisen auf Gottes Gerechtigkeit Zurechtweisung und Strafe üben, um die Anvertrauten zu gewissenhaften Arbeitern zu erziehen[44].

4        Treue dem Nächsten gegenüber

Wie in der Einleitung erwähnt, haben wir selten einen Vertrag mit unserem Nächsten abgeschlossen, den es in Treue zu halten gilt. Trotzdem soll unser Leben auch dem unbekannten Nächsten gegenüber in geleichbleibender Treue und Zuverlässigkeit geführt werden[45]. Die Aspekte unserer Verpflichtung sind in der Bibel aufgeschrieben, die uns prägt, ein treues Leben zu führen. Grundlegend ist Gottes Gebot, den Fremdling und den Nächsten zu lieben wie sich selbst[46], was dazu führt eine gleichbleibendes, treues Verhalten zu jedem Mitmenschen auszuüben. Dem Gehorsam kommt in dieser ungezwungenen Beziehung weniger Bedeutung zu, weil der einzige verpflichtende Gehorsam nur dem Wort Gottes entgegenzubringen ist und nicht unserem Nächsten gegenüber.

4.1        Liebe

Wie auch Jesus sein Leben für Menschen hingegeben hat, mit denen er irdisch gesehen keine Beziehung hatte[47], sollen wir auch aufopferungsvoll treu zu unbekannten Menschen sein.

Im Gesetz wurde das Volk Israel aufgefordert, selbst das verlaufene Tier eines Feindes getreulich zu dessen Besitzer zurückzuführen[48]. Wievielmehr sollen wir unseren Nächsten, gegen den wir nichts Böses hegen, genauso behandelnd, wie wir behandelt werden möchten[49]. Die Treue als Charaktereigenschaft zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie selbst einen Unbekannten, den sie zum ersten Mal sieht nicht schlechter behandelt als einen guten Freund, weil man aus Liebe und Gehorsam zum Wort Gottes handelt.

Belehrung über das große Vorbild Christus ist eine Ermutigung den unbekannten Nächsten treu und in Liebe zu behandeln. Vorbilder, die ihre Nächsten so behandeln und mittels Zurechtweisung und Strafe die Anbefohlenen auch dazu auffordern, werden maßgeblich daran beteiligt sein, eine von Vertrauen geprägte Atmosphäre in ihrem nächsten Umfeld aufzubauen.

2.       Fazit

Diese beiden Beiträge sollte im Allgemeinen zusammenfassen, wie man anvertraute Seelen zur Treue erziehen kann. Dabei ist es unbedeutend, in welchem Alter sich die zu Erziehenden befinden, weil jeder Lebensabschnitt eine neue Lektion der Treue mit sich bringt. Dabei ist mir wichtig geworden, dass es nie einen Lebensabschnitt gibt, in dem die Treue keine Rolle spielt, sondern dass wir jeden Tag neu und auf unterschiedlichste Weise dazu aufgefordert sind, treu zu handeln.

Es wurde herausgearbeitet, wie die Treue als Handlung unser Leben bestimmen soll und letztendlich zu einer festen Eigenschaft in unser Charakter geprägt wird, sodass unser Handeln sich in Festigkeit, Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit auszeichnet.

Die Prinzipien, die dazu führen sich selbst und anderen zu einem treuen Menschen zu formen sind in allererster Linie die Liebe zu Gott und unserem Nächsten. Vervollkommnet wird sie im bedingungslosen Gehorsam zu Gottes Wort, das umfassend in allen Lebensbereichen als Richtschnur gilt.

Nun gilt es, anhand der genannten Erziehungsmittel, die Treue durch Gebet im eigenen und anvertrauten Leben auszuleben und zur festen Charaktereigenschaft werden zu lassen.


Zum ersten Beitrag: Erziehung zur Treue im Glauben


 

[1] 1.Kor. 13,4-7
[2] Rö. 7,2-3
[3] Eph. 5,25.28
[4] Apostel Paulus ermahnt in seinen Briefen die Ehemänner ihre Frauen zu lieben (Eph. 5,25.28 Kol. 3,19)
[5] Tit. 2,3-5
[6] s. Hesed-Projekt von Charles Dyer in „Charaktersache“ s. 52ff
[7] 2.Mose 20,14; 3.Mose 18
[8] Mk. 10,2ff; Eph. 5,22ff; Kol. 3,18ff; Tit. 2,3ff; 1.Petr. 3,1ff
[9] vgl. Die Sünden in Korinth (1.Kor.5,1) die Paulus dazu brachten, die Gemeinde über Gottes Ordnungen zu unterweisen
[10] 5.Mose 6,6-7; Spr. 2,16-19; 5,15-18
[11] 1Kor. 5,11
[12] Gal. 5,17
[13] 1.Thes 2,11-12; Kol. 3,16
[14] Spr. 27,8; 11,29
[15] Spr. 6,19
[16] Spr. 11,29
[17] Kol. 3,20
[18] Mutter-Kind: Jes. 49,15; 66,3 Vater-Sohn: Rö. 8,15-16; Spr. 3,12 Ehe: 2.Kor. 11,2
[19] Mal. 3,24
[20] Kol. 3,21
[21] Eph. 6,4
[22] Spr. 23,26; 2.Mo. 20,12
[23] 1.Joh. 3,18
[24] 2.Mo. 20,12
[25] Mk. 7,10-13
[26] Kol. 3,20
[27] vgl. 2.Tim 4,12; 5.Mo. 6,6-7
[28] vgl. Salomo, der seinem gottesfürchtigen Vater gehorchte 1.Kö. 2,3-46
[29] Hebr. 12,9-10
[30] 1.Mo. 39,2
[31] Dan. 1,20; 2,48
[32] Potiphar vertraut Joseph sein ganzes Haus an 1.Mose 39,2
[33] Ps. 90,10 nach LU´12
[34] Kol. 3,22-23
[35] Kol. 3,24
[36] 1.Pet. 2,18-25 mit Jesus als Vorbild
[37] 1.Pet. 2,20
[38] Eph. 6,5-9; Kol. 3,22-25; Titus 2,9-10; 1.Pet. 2,18-25.
[39] Lu. 16,10
[40] Spr. 20,10
[41] 2.Mo. 23,8
[42] Spr. 20,4-7
[43] 1.Kor. 4,7
[44] Als Beispiel gelten hier Aaron und seine Söhne, die in 3.Mose 10,1-7 von Gott betraft werden und daraufhin in 10,8-18 Anweisungen für einen gewissenhaften Priesterdienst bekommen.
[45] 2.Mo. 22,20
[46] 3.Mose 19,34
[47] Eph. 2,17
[48] 2.Mo. 23,4
[49] Lk. 6,31

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